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Roman: Der letzte Brief

Blum
Der letzte Brief
Januar 2004

Für Sim

Wie gerne wüsste ich wer Sie sind. Wie haben sie diese Seiten gefunden? Sind sie überhaupt in der Lage sie zu lesen? Sicher sind sie das. Sie müssen weit entwickelt sein um sie überhaupt in Händen halten zu können denke ich.
Nun ich will aber wirklich nicht unhöflich sein und endlich mit meiner Geschichte beginnen. Zweifellos ist sie die letzte die je geschrieben wurde. Zumindest hier.
Meinen vollen Namen möchte ich nicht nennen. Es ist mir die Vorstellung ein Graus andere Mitglieder meiner Familie könnten mit mir und meinen Taten in Verbindung gebracht werden. Darum nenne ich mich einfach nur B. L-----. Ich hoffe dies erscheint nicht zu unhöflich aber leider gehen mir die Möglichkeiten zur Höflichkeit ohnehin Schritt für Schritt aus.
Begonnen hat es in meiner frühesten Kindheit. Wie sollte es auch anders sein, schließlich geht es um die Geschichte meines Lebens. Ich erschaudere beim Gedanken an diese Zeit, liegt sie doch in der düstersten Tiefe meiner Gedanken in die ich wahrhaftig nur mit äußerstem Unbehagen hinabtauche. Meine Großmutter, eine sehr korrekte und äußerst anständige und gläubige Dame, war stets bemüht mir ihren Glauben an Gott und die damit verbundenen Rituale und täglichen Begebenheiten näher zu bringen. Dazu gehörte in dieser Zeit vor allem der kindliche Umgang mit Sagengestalten wie dem Osterhasen, dem Weihnachtsmann, Engeln und Feen. In ihrer Vorstellung begann der Glaube mit diesen Dingen. Der Klapperstorch bereitete in den Gehirnen der Kinder ein gemaches Nest für den Herrn und seine Engelscharen die im Himmel und in unseren Herzen wohnen. Sie gab sich außerordentlich Mühe mir all dies näher zu bringen.
Meine Mutter und vor allem mein Vater hatten keinen Hang zum Glauben. Aber sie vereitelten die Bemühungen der Großmutter auch nicht und begannen all die kleinen Sagen mit lockeren Gemütern zu unterstützen. Sing uns doch ein Liedchen vor dem Tannenbaum. Such die Eier die der Hase im Vorgarten versteckt hat. Mach das Licht aus damit der Sandmann dir seinen Traumsand in die Äuglein träufeln kann. Orpheus kam aber nie zu mir. Es konnte noch so dunkel in meinem kleinen Kinderzimmer sein er kam und kam nicht. Auch den Mann in rot und weiß bekam ich niemals zu Gesicht und der Schwarze Mann war mir auch kein Schrecknis. Manchmal weinte ich. Warum konnte ich nicht glauben was die Erwachsenen da erzählten? Bald begannen sich in meinem Inneren Fragen um diese Umstände zu bilden. Konnte es sein das die Erwachsenen alle verrückt waren? Konnte es sein das sie mich alle für verrückt hielten? Und wenn ja – warum? verhielt ich mich merkwürdig? Sicher tat ich das. Ganz sicher war ich alles andere als ein normales Kind.
Leider muß ich davon ausgehen, daß meine Vorstellung der Glaubensdinge sehr schnell von denen meiner Großmutter abwichen. Ein einfaches Beispiel dürfte gerade sie amüsieren. Als Kind hatte ich einen starken Hang zu Zukunftsgeschichten. Ich liebte die Bücher die von Reisen zum Mond oder dem Mittelpunkt der Erde handelten und Geschichten in denen Forscher die letzten Dinosaurier in vergessenen Reichen fanden und sich schließlich deren hungrigen Annäherungsversuchen zur Wehr setzen mussten verschlang ich mit dem Appetit eines T-Rex.
An Ostern sagte also die liebe Großmutter zu mir ich solle nun hinaus gehen um die Ostereier einzusammeln die der Osterhase draußen versteckt hatte und was tat ich? Ich dachte an den Quellekatalog den ich Tage zuvor im Wohnzimmer der Eltern hatte liegen sehen. Die Seiten mit den Spielsachen hatten jedes Jahr zu dieser Zeit Eselsohren. Wenn ich also hinaus ging um die Nester zu suchen dann hielt ich voller Vorfreude Ausschau nach Dinosauriern oder Raumschiffen und die Schokolade welche kunstvoll darum drapiert worden war bedeutete mir überhaupt nichts denn Süßigkeiten gab es in einem Schrank im Wohnzimmer meiner Eltern zu genüge und mein Zugriff darauf war weitgehend unbeschränkt.
Wohin führt uns das? Nun es beschreibt meinen Unglauben und ich befürchte jetzt wo ich diese Zeilen niederschreibe, komme ich zu dem Schluß, daß gerade hier der vielgenannte Kern des Pudels zu suchen ist. Verzeihen sie mir das ich diesen Spruch nicht näher erkläre. Die Weltliteratur wird ihnen hierbei sicher besser als ich es vermag weiterhelfen.
Ich glaubte nicht. Sicher gab es schon immer viele Menschen auf dieser Welt die nicht glaubten und das der Osterhase nicht mit den irdischen Schokoladenfabriken zusammen arbeitete war nicht unbedingt schwer zu erkennen. Doch was ist mit der Vorstellung der Unschuld des kindlichen Geistes? Ich für meinen Teil bin mir sicher in dieser Hinsicht zu jedem Zeitpunkt etwas absolut außergewöhnliches gewesen zu sein. Nun wer dies nach der Lektüre dieser Geschichte noch zu bezweifeln vermag dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Merkwürdig wie oft ich trotz den traurigen Sachverhalten meines Daseins lächeln muß in dieser schweren Stunde.
Ich war nicht unschuldig. Mir fehlte der Glaube dazu. Schon als kleines Kind erfasste mein wacher Geist die Sachverhalte der Erwachsenen. Ich wußte zu jeder Zeit um die geschlechtlichen Vorgänge, kannte die Organe der Menschen und der Klapperstorch war für mich nur eine bedauernswerte vom aussterben bedrohte heimische Stelzvogelart. Hätte ich jemals beobachtet wie einer dieser ein wenig komisch anmutenden Vögel mit einem Bündel im Schnabel über die Dächer unserer Stadt gesegelt wäre, hätte ich wohl auf der Stelle den Verstand verloren denn solcherlei Dinge gab es in meinem Dasein nicht. Stattdessen beschäftigte ich mich schon im zarten Alter von etwa drei Jahren mit der Frage warum mich niemand liebte. Vielleicht werden sie sich fragen wie ein Kleinkind auf eine derart unsinnige Überlegung kommen konnte aber warten sie ab ich will versuchen es aus meiner Sicht darzulegen. Liebe ist in meinen Augen auch eine Art des Glaubens. Zuneigung ist etwas sichtbares, etwas spürbares. Sicher erhielt ich von meinen Eltern eine angemessene Menge an Zuneigung. Auch meine Großeltern verhielten sich unserer Gesellschaft entsprechend liebevoll mir gegenüber. Aber ich verstand ja zu diesem Zeitpunkt schon etwas gänzlich anderes unter dem Begriff Liebe. Liebe war schon immer weit mehr für mich als die Selbstverständlichkeit der Zuneigung die meine Mutter mir entgegenbrachte. Liebe war etwas tieferes, etwas das nicht nur lehrte und Bedingungen stellte sondern vor allem etwas das selbst lernte. Ich wollte geliebt und erkannt werden und ich wollte das man von mir lernte und sich mir anpasste so wie ich mich anpassen und lernen wollte. Ich wollte mit anderen Menschen in Liebe verschmelzen und moralische Bedingungen gab es für dieses Empfinden in meinem Herzen zu keinem Zeitpunkt. Es fällt mir schwer diese Umstände ohne geschlechtliche Begriffe darzustellen, sind sie doch ganz zweifellos untrennbar mit ihnen verbunden aber ich will es dennoch dabei belassen denn es soll nicht allein hierdurch beschrieben werden wie sehr ich mich von anderen Kindern unterschied. Tatsache ist das Eltern ihre Sprößlinge wohl behüten und versuchen ihnen ihre Werte beizubringen um sie in die Gesellschaft einzuführen. Ob dies dem Kind gefällt ist ihnen dabei nicht wirklich wichtig. Sie haben es so von ihren Eltern gelernt und in ihren Augen ist es gut es auch den eigenen Kindern so weiter zu geben. Doch ist dies wirklich Liebe? Wäre nicht echte aufrichtige Liebe vielmehr der Versuch der Eltern zu erfassen was das Kind will? Könnte es nicht sein das ein Kind bessere Vorstellungen vom Dasein hat als ein Erwachsener?
Das was die Menschen als kindliche Unschuld empfanden fehlte mir gänzlich! Moralische Bedenkenlosigkeit, Unwissenheit um Gut und Böse und auch das Wissen um geschlechtliche Sachverhalte ließen meinen Geist klar und scharf wie die Klinge eines Rasiermessers werden.
Dabei war ich ein wirklich liebes Kind. Ich stellte nie etwas an, machte meinen Eltern nie Ärger. Ich lernte sehr schnell und war stets artig zu meines Gleichen wie zu den Erwachsenen. Aber dies wäre nicht der Grund warum ich mich als liebes Kind bezeichnet hätte. Diese gesellschaftlichen Dinge machen ein Kind nicht gut oder böse. Es sind ganz andere Sachverhalte dich ich meine. Zum Beispiel habe ich nie meine Zeit damit verbracht Ameisen mit einem Brennglas zu verdampfen wie das andere Kinder in meinem Umfeld taten. Niemals hätte ich einem Tier etwas zu Leide getan. Niemals hätte ich schlecht über andere geredet oder gestohlen. Die Lüge war mir so fremd wie Eiversucht und Neid. Aber diese Dinge waren den Erwachsenen meinen meiner Familie egal. Schlimmer – sie waren nicht einmal in der Lage sie zu bemerken oder gar zu erfassen. Sie wussten gar nicht das ich wirklich lieb und gut war. Allein die Tatsache das ich nicht laut schrie und stets brav für mich selbst spielte genügte ihnen.
Nun all dies beschreibt nur schwer den Hintergrund meiner finsteren Macht. Ja eine finstere Macht ist dies die mich nun hier allein sitzen läßt und mich zwingt meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. In meinen Augen ist es eine Tatsache: Ich war schon als Kind auserwählt diese Macht in mir zu tragen und es zu Ende zu bringen! Ich konnte es zu jeder Zeit fühlen. Es war schon vom Anbeginn meines Daseins in mir gewesen.

Das Übel begann wohl bei meinem Onkel E. S-----. Zumindest ist mir kein davor liegender Vorfall bekannt geworden. Es geschah während eines Geburtstages. Ich glaube es war der meiner Tante. Ich war so um die sechs Jahre alt. Onkel und Tante hatten einen Hund, einen häßlichen alten Köter an dessen Namen ich mich nicht erinnere und dessen Äußeres ebenfalls weitgehend in den dunklen Windungen meiner Vergesslichkeit verschwunden ist. Ich erinnere mich nur noch daran das er unter einer Alterslähmung seiner Zunge und seiner Unterlippe litt. Immer hing die Lippe herab und zu jedem Zeitpunkt schaute ein Stück der rosafarbenen Zungenspitze zwischen den gelben Zähnen hervor. Auch heute nach so vielen Jahren erinnere ich mich an das Ekelgefühl das mir dieses Bild bereitete. Dennoch mochte ich diesen Hund. Ich mochte überhaupt alle Tiere und an diesem Zustand hat sich auch bis heute nichts geändert. Es soll ihnen daher später bleiben zu entscheiden ob ich ein guter oder schlechter Mensch war denn wenn sie meine Geschichte entschlüsselt und verstanden haben werde ich längst nicht mehr unter den Lebenden weilen.
Mein Onkel war ein harter und überaus grober Mann. Er hatte den Krieg nur geradeso überlebt. Seinen Stand als angesehener Soldat das Reiches hatte er mit einem Bein, seiner Milz und allen Fingern seiner rechten Hand bezahlt. Hinzu kam das er zu allem Überfluß früh Zuckerkrank wurde und sich mit der linken Hand nicht selbst mit Insulin versorgen konnte. Seine Abhängigkeit von Medikamenten und sein der Krankheit entsprechend ...


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