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Roman: Das Leben

Blum
Das Leben
Februar 2004

Für Sim und alle die Angst haben

Vor nur einem Tag und einer Nacht lag ich noch auf dem Rücken eines Wales, um mich herum gab es nichts als die Weite des pazifischen Ozeans und mein Name ist dabei keinesfalls Kapitän Ahab. Die irrsinnige Geschichte die mich in diese überaus merkwürdig anmutende Situation brachte begann auch nicht in einem kleinen Walfangort namens New Bedford und ich stamme nicht einmal aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Statt dessen verbrachte ich die längste Zeit meines Lebens in der alten Welt, genauer in Deutschland. Doch auch ich habe wie der Walfänger nur einen Fuß. Wie ich nun also hier her komme? Nun dies zu erzählen steht mir der Sinn denn meine Geschichte geht jeden Mann und jede Frau an.
Ich war erst vierundzwanzig Jahre alt als ich mein Studium als Biologe mit Bravur abschloß. Ich möchte sagen das ich geradezu als Musterschüler galt und das nicht als Angabe sondern als pure Information denn es soll zeigen das ich an all meinen Problemen die hernach folgten selbst und vor allem ganz allein die Schuld trug. Ich bin mir dessen bewußt doch war ich es nicht immer. Ich machte also meinen Abschluß und konnte mich von nun an in der Welt der Hybridisierung mittels radioaktiver Sonden, des Immunolabelings, der Isolierung genomischer DNA und der Transformation und Blau-Weiss-Selektionen behaupten. Anbetracht der Tatsache das mein Vater – seinerseits selbst ein angesehener Professor der Biologie an der Universität von Bayreuth – über die allerbesten Kontakte verfügte, dauerte es natürlich nicht lange bis ich eine Stelle in einem Labor einer der angesehensten Pharmakonzerne meiner Region antreten konnte. Von diesem Zeitpunkt an ging es mit mir im Sauseschritt die Kariereleiter herauf. In den ersten drei Jahren brachte meine Gruppe gleich zwei, für die Firma sehr lukrative und geradezu bahnbrechende Forschungsergebnisse zu Tage. Die Erforschung der Immunisierung ist wirtschaftlich gesehen äußerst gewinnbringend. Aber ich will nicht abschweifen und sage darum nur das mein Beitrag damals kein geringer war und man meine Arbeit reichlich belohnte. Die Folgen waren ein Umzug und eine drastische Aufwertung meiner Statussymbole. Ich bezog ein älteres Haus am Stadtrand und kaufte mir eine Limousine die mehr kostete als die komplette Renovierung meiner neuen Unterkunft. In dieser Zeit lernte ich auch meine Frau Hanna kennen. Sie war nicht meine erste Liebe aber meine vorangegangenen Beziehungen hatten nie länger als ein paar Monate gedauert und endeten, zumindest auf meiner Seite, nie mit allzu großen Verlusten. Ich sagte mir damals einfach immer das es eben nicht die Richtige gewesen war und das man den Göttern des Schicksals eben Zeit geben mußte. Hanna war die Richtige.
Wir trafen uns bei einer Tagung im Hauptsitz meiner Firma in München. Sie lebte hier, kam aber ursprünglich aus New York. Nach einem anstrengenden Tag an dem ich hunderten von Theoretikern und Laborleichen die kalten Hände geschüttelt hatte war ich früh in mein Hotel zurückgekehrt um mich auszuruhen denn ich war noch müde von der langen Autofahrt. In der Hotelbar war es dann soweit. Sie saß an einem der ovalen niedrigen Glastische und hatte ein leeres Glas vor sich stehen das sie anstarrte und scheinbar allein Kraft ihres Willens zum Schweben bringen wollte. Ich sah ihr mindestens zwei volle Minuten lang zu bevor ich beschloß dem Barmann die Anweisung zu geben mir zweimal den gleichen Drink zu bereiten den die Dame an besagtem Tisch hatte. Wie ich mich dazu durchringen konnte das zu tun ist mir bis zum heutigen Tag ein Rätsel denn ich war nicht gerade ein Draufgänger und ein Korb von einer Dame bedeutete für mich Wochenlange Selbstzweifel.
Nun ja lange Rede kurzer Sinn ich schnappte mir also die beiden neuen Gläser und ging damit zu ihrem Tisch hinüber. Guten Abend, ist der Platz frei? Darf ich? Oder störe ich sie bei der Hypnose ihres Glases? Es ist doch leer oder nicht? Sehen sie ich habe hier ein neues.
Ja ganz im Ernst – diese Worte oder zumindest ganz ähnliche habe ich gesagt und als sie den Innenraum meines Kopfes verlassen hatten und sich ihren Weg durch den Äther in Richtung ihrer Gehirnwindungen bahnten war mir schon klar wie unheimlich dümmlich sie wirken mußten. Eins meiner Hauptprobleme dieser Zeit. Hätte man mich gefragt wie die Analyse von Bakterienplasmiden durch die Eckhardt-Lyse vonstatten ging hätte ich wohl aus dem Stehgreif einen anderthalbstündigen Vortrag halten können der unter Umständen nicht einmal langweilig gewesen wäre. Aber eine Dame ansprechen, nein überhaupt ein Gespräch beginnen das nicht von Protoplasmen handelte, war nicht gerade eine meiner herausragenden Gaben.
Zuerst starrte sie noch eine Sekunde durch die Schlieren ihres Wyshki-Glases. Doch dann ging ein ruck durch ihren Körper und ihre Augen wurden klarer und suchten nach der Quelle der Ansprache. Es war als hätte sie zuerst übersetzen müssen was da an sie herangetragen worden war. Zum ersten Mal blickte ich in ihre faszinierenden blauen Augen und verlor mich auf immer in ihnen. Dies zumindest war das Empfinden welches mich damals wie eine Sturmwoge aus meinen italienischen Halbschuhen zu fegen drohte.
Ich starrte sie an. Sie hatte offenbar nicht verstanden was ich von ihr wollte und bat mich meine rede zu wiederholen. Ihre Stimme war freundlich und es war eindeutig das die Tiefe ihrer Augen durch den Genuß von Alkohol verstärkt wurde. Ich versuchte ein Lächeln und fragte einfach ob ich mich setzen dürfe. Dann mußte sie lachen und ich schütte mir mein Glas über die Hose. Ich weiß das diese beiden Vorgänge eigentlich umgekehrt hätten stattfinden sollen aber es war wie ich es beschreibe und so sollte s noch oft auf unseren Gemeinsamen Wegen kommen. Hanna wußte so unglaublich oft was ich als nächstes tun würde das sie mir zuweilen geradezu unheimlich war.
Wir unterhielten uns die ganze Nacht. Sie rauchte eine Zigarette nach der anderen und ich wurde es nicht müde ihrer Geschichte zu lauschen. Während sie sich mit der Linken immer wieder die widerspenstigen haselnußbraunen Locken aus der Stirn strich erzählte sie mir von ihrem Weg aus den USA nach München. Sie sprach von ihrer Kindheit in Miami wo sie bei einer Tante gelebt hatte und von ihrer Studienzeit in New York, von ihrem Vater der Detektiv des NYPDs war und von zwei Schwestern und einer Mutter die in der Lage war gleichzeitig die weltbesten Muffins zu bereiten und Arien aus der Aida zum Besten zu geben. Ich war derart hingerissen von dieser lebenslustigen Frau das ich ihr, hätte dies der Anstand nicht verboten, wohl noch in dieser Nacht einen Heiratsantrag gemacht hätte. Statt dessen wartete ich genau drei Monate bis wir uns mehr oder weniger per Zufall auf einer Weihnachtsfeier der Firma wider trafen.
Ja ein derartiger Feigling war ich. Ich hätte sie nach ihrer Telefonnummer fragen können. Ich hätte zumindest fragen können in welcher Abteilung sie Arbeitete. Ich hätte sie für den nächsten Tag zum Essen einladen können. Nein nichts von alledem geschah. Jahre später tröstete ich mich über die Erkenntnis meiner Feigheit zuweilen mit dem Gedanken hinweg das ich sehr müde und stark angetrunken gewesen war aber ganz ehrlich, ich war mir durchaus bewußt das es mir einfach an Mut gefehlt hatte. Hanna war wunderschön, hatte offensichtlich ein ordentliches einkommen und darüber hinaus war sie überaus belesen und wortgewandt. Warum hätte diese Frau sich mit mir verabreden sollen? Sicher hatte sie einfach einen schlechten Tag hinter sich gehabt und sich einfach mit dem ersten besten unterhalten der zur Verfügung gestanden hatte aber ein Wiedersehen … Kaum.
Als ich zugegeben an besagtem Abend die Räumlichkeiten der Feier betrat kam sie direkt auf mich zu. Sie hatte mich sofort erkannt und freute sich offensichtlich mich zu sehen. Mit einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen harkte sie ich bei mir ein und beteuerte wie sehr sie sich freue das unsere beiden Gruppen beschlossen hatten die Weihnachtsfeier im gleichen Lokal zu begehen. Sie stellte mich etwa einer Million neugieriger Kolleginnen und einigen extrem adrett wirkenden Vorgesetzten in teuren Zweireihern vor und tat dabei als seien wir längst miteinander verlobt. Später hat sie mir gegenüber dann einmal zugegeben das sie das auch ganz ähnlich gesehen hatte. Sie hatte sich an dem Abend im Hotel in mich verliebt und war sich absolut sicher mich wieder zu sehen und so war es ja auch gekommen. Wie gesagt ihre merkwürdige Gabe scheinbar die Zukunft einschätzen zu können wurde sogar bei unseren gemeinsamen Freunden zu einer Art kleinen Legende.
Wir flogen gemeinsam nach Italien und verbrachten dort drei wundervolle Wochen. Ich will nicht auch noch Seitenweise über unsere Leidenschaft und unsere gegenseitige Hingabe berichten und ich werde auch nicht versuchen unsere Küsse mit denen Julias und Romeos zu vergleichen denn es gibt wahrlich genug Lektüren dieser Art aber soviel sei gesagt: Wir liebten uns wahrhaftig.
Ein halbes Jahr später zog sie zu mir. Zuerst war das kompliziert weil ihre Arbeitsstelle fast zweihundert Kilometer von meiner entfernt lag aber dann ließ sie sich versetzen was auch noch zu einer besseren Gehaltsstufe ihrerseits führte. Es gab eine Zeit da dachte ich, daß ich in dieser Phase meines Lebens alle Glück meines gesamten Daseins auf einen Schlag verbraucht hätte. Heute weiss ich das ich mich damals irrte.
Die kommenden zwei Jahre waren eine Aneinanderreihung von Wundern für mich. Ich arbeitete und wurde zum Laborleiter. Wir zogen in ein größeres Haus. Ein gemeinsamer Urlaub in den Staaten (ich lernte ihre Familie kennen) und kurz darauf eine weitere Reise, diesmal nach Japan, schweißten uns zusammen. Wir aßen Lobsterschwänze in NY und erlebten einen Sonnenaufgang in einem wunderschönen Hotelzimmer in Tokyo. Sie war das Leben in seiner reinsten Form für mich.
Zu Hause ließ ich keine Woche vergehen ehe ich ihr endlich den Antrag machte. Ich hatte noch in Tokyo einen Ring gekauft und konnte es nicht abwarten bis wir zusammen im Restaurant waren und kniete darum in unserem Wohnzimmer vor ihr. Sie lächelte auf mich herab und griff nach etwas das unter einem Kissen auf dem Sofa gelegen hatte. Im ersten Moment dachte ich schon sie würde mir jetzt eine Zeitschrift überbraten und mußte lachen aber dann hielt sie mir einen dünnen Katalog mit Brautkleidern und Hochzeitszubehör vor die Nase. Sie hatte es gewußt.
Wir heirateten keine drei Wochen später. Ihre Eltern und zwei der Schwestern kamen und lernten meine Familie kennen. Alles verlief reibungslos. Zwei ehrwürdige Clans verschmolzen voller Wohlwollen miteinander. Wir beide waren der ultimative Inbegriff des Glücks für all unsere Verwandten und Freunde und wohl auch für unsere Kollegen und entfernteren Bekannten. Die Hochzeitsreise ...


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