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lila

Losgelöst

Es regnete. Schon seit Tagen regnete es immer wieder. Die Straßen und Bürgersteige waren voller Pfützen und alle Pfade waren schlammig und völlig aufgeweicht.

Nikolas saß in seiner Wohnung und schaute aus dem Fenster. Er saß auf einem einfachen Stuhl aus Kiefernholz und hatte den Kopf auf seine Hände gestützt. Er schaute hinaus und dachte dabei an Nichts.

Plötzlich fiel ihm auf, dass er an Nichts dachte. Hatte er zuvor noch den Regentropfen beim Fallen zugesehen und dabei an Nichts gedacht, so schien ihm das von nun an unmöglich, denn er konnte die Regentropfen nur solange betrachten und sich dabei in ihre Betrachtung vertiefen, wie er an nichts dachte. Nun aber, wo er bemerkt hatte, dass er nichts dachte, hatte er sich das Nichts vergegenwärtigt und somit war das Nichts nicht nichts mehr, sondern vielmehr etwas, nämlich das Nichts schlechthin, und störte
die Betrachtung ganz empfindlich. Nikolas nahm immer weniger der fallenden Tropfen wahr, so sehr bewegte das Nichts sein Gemüt.

Wenn, so überlegte er, er nichts dachte, dies ihm dann auffiele, und er darauf über das Nichts nachdachte, dann, so fand er, war es kein Nichts mehr. Denn das Nichts sei nur solange Nichts, bis es, aus welchem Grund auch immer, als Nichts auftauchte. Dann nämlich, so fand Nikolas, sei es ja etwas. Dies könne aber mitnichten Nichts sein, da ja Nichts nur sein kann, was nicht ist.

Nikolas stand vom Stuhl auf und ging, den Kopf voll Nichts, zum Spülbecken. Er drehte den Wasserhahn auf und betrachtete das Wasser beim Fließen. Dann drehte er den Wasserhahn wieder zu und fand, dass da, wo noch kurz zuvor das Wasser war, nun Nichts war, jedenfalls nichts, was er hätte sehen können. Er drehte den Wasserhahn wieder auf, und schon schoß ein neuer Strahl frischen, kühlen Nass aus dem Kran.

Mitten in seine Betrachtung über Nichts und Wasser überkam Nikolas das Verlangen, sich zu erleichtern. Er verließ die Küche und ging über den schmalen Flur zum stillen Örtchen. Er zog seinen Reißverschluß runter und stellte sich vor die Porzellanschüssel. Sonst setzte er sich immer, um nicht unnötig viel seiner Körpersäfte auf dem Boden und an den Wänden zu hinterlassen. Doch jetzt wollte er das Phänomen des Nichts untersuchen. Und so schaute er zu, wie erst Nichts, dann Etwas und dann wieder Nichts da war
und so fort.

Nikolas war erstaunt, wie ihn ein so gewöhnlicher Vorgang, eine Routine, die mehrmals täglich völlig gleich geschah, derart in den Bann ziehen konnte. Als er fertig war, schüttelte er die letzten Tropfen ab und versuchte vergeblich diesen Vorgang mit seinen Gedanken über das Nichts in Einklang zu bringen. Mißmutig zog er an der Schnur. Das ins Becken stürzende Wasser erhellte seine Gedanken wieder. Er freute sich an dem lauten, gurgelndem Geräusch, das aus dem Spülkasten ertönte, als alles
Wasser abgegangen war, erfreute sich am Rauschen, als neues Wasser in den Behälter lief und genoß die Stille, als der Wasserpegel die vorgesehene Höhe erreicht hatte.

Nikolas blieb still stehen und lauschte.

>Ping< tönte es. Und noch einmal >Ping<. Der Wasserhahn schloß nicht richtig ab, so dass in dichten Abständen Wassertropfen in das Waschbecken fielen und dort mit einem feinen Geräusch zerschellten. Er genoß die Stille zwischen dem Aufprall zweier Tropfen und überlegte kurz, ob diese Stille vielleicht
Nichts sei, doch verwarf er diesen Gedanken alsbald wieder, weil die Stille ja schon die Stille war und mithin schlechterdings Nichts sein konnte.

Erfüllt von einer leichten Unruhe, die er in Körper und Geist aufziehen spürte, verließ er die Toilette und ging zurück zum Fenster, wo er weiter die Tropfen beim Fallen betrachtete. Er spürte einen leichten Anflug von Traurigkeit aufziehen, weil es ihm nicht gelungen war, sich dem Nichts zu nähern. Doch schon nach einer kurzen Weile stand er nur noch da, betrachtete
die Regentropfen beim Fallen und dachte dabei an... Nichts!


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