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Glücksscheibchen


Am Abend saß Martin auf seiner Couch und war sich nicht sicher, was er vom vergangenen Tag halten solle. Er überlegte, ob es überhaupt lohnte, sich darüber Gedanken zu machen, ob ein Tag lohnenswert war oder nicht.

Er dachte nach und während er sich seine Tapete betrachtete, verfiel er auf den Gedanken, oder vielmehr war es so eine Stimmung, die ihn beschlich, die von ihm Besitz ergriff, dass er den Tag erlebt hatte, wie er war, egal wie er ihn letztendlich persönlich einschätzte und in Erinnerung behielt.

Martin hatte die Beine auf die Sofalehne gelegt und sein ganzer Körper war unterhalb der Füße ausgebreitet. Sein Gesäß drückte ein wenig unter seiner eigenen Last sowie unter dem Druck, der von den hochgelagerten Füßen ausging.

Martin überlegte kurz, ob er es sich bequem machen und dem Schmerz ausweichen wollte, oder ihn doch lieber aushalten sollte. Dann fand er, dass die Druckschmerzeinleitung und seine Gedanken über Tage und ihren objektiven Wert in einem subjektiven Dasein zusammen aufgetreten waren, und da er sich freute, über den Wert von Tagen nachdenken zu können, beschloß er, den Schmerz weiter auszuhalten, ja, sogar zu vertiefen, um vielleicht noch weiter in die Geheimnisse der Wertigkeit im Sein einzudringen.

Martin betrachtete seinen Schrank. Er hatte sich diesen Schrank nicht ausgesucht, der Schrank hatte ihn gefunden. Eines Tages war er da, in seinem Zimmer, ohne dass Martin sich großartig darum bemüht hätte. Jemand rief ihn an und fragte, ob er einen Schrank brauche, und schon stand er in Martins Wohnung.

Martin war davon überzeugt, dass es gut war, diesen Schrank zu haben. Es wäre auch jeder andere Schrank gut gewesen. Doch dieser hatte ihn offenbar gesucht! Eine schicksalhafte Verwobenheit bestand zwischen Martin und dem Möbel, also machte er es zu einem Teil seines Lebens.

Genauso war auch der Tag an ihn herangetreten. Am Morgen, als er aufstand, war Martin schon mitten im Tag drinnen gewesen. Er hatte vor dem Spiegel gestanden und sich seine Bartstoppeln betrachtet. Auch diese Bartsoppeln waren etwas, um das Martin nie gebeten hatte. Trotzdem waren sie da!

Martin fand, dass die Barthaare und der tägliche freiwillige Abschied von etwas, dass der lebendige Körper doch selber produziert hatte, wie ein Eingeständnis in die Unausweichlichkeit des Todes war.

Natürlich war sich Martin bewußt, dass die Haare an sich, auch wenn sie als Symbol für Lebendigkeit herhalten müssen, nichts Lebendiges sind, sondern vielmehr die Wurzeln, aus denen sie sprießen für Virulenz einstehen, doch trotzdem wunderte er sich immer wieder, wie leicht es ihm fiel, etwas von sich selbst in den Ausguß zu befördern, in die Kanalisation zu schicken, wo es Ratten umspülte.

Martins Hintern begann leicht zu brennen. Er überlegte einen Augenblick lang, ob er weiter im Schmerz nachdenken wollte, fand dann aber, dass schon das alleinige Nachdenken über die Rolle, die er dem Schmerz in seinem Leben gestatten wollte, diesem zu einer Wichtigkeit verhalf, die ihm angesichts der Freiwilligkeit des Schmerzempfindens absolut unangemessen erschien.

Martin erhob sich langsam von der Couch, und als seine Füße den Boden berührt hatten, drückte er sein Kreuz einmal kräftig durch, streckte sich und sah danach zu Boden. Dort lagen noch Kartoffelchipskrümel vom Vortag. Martin betrachtete sie, und während er seine schmerzenden Hinterbacken massierte, dachte er, dass ein Tag wie so ein Krümel sei, nämlich Teil eines großen Ganzen, das abgebröckelt war und nun darauf wartete, eingesammelt oder weggesaugt zu werden, um schließlich auf dem Friedhof der Erinnerung zu landen.

Martin löste sich von den Krümeln, ging in seine Küche, holte sich ein Glas aus der Spülmaschine, goß sich Wasser ein, und noch während er trank, beschloß er, sich ab dem nächsten Tag einen Bart wachsen zu lassen.



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