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morbid

Eingefangene Äußerlichkeit


Jan saß auf dem Bett. Das Bett stand in einem Zimmer einer leicht heruntergekommenen Herberge in einem Randbezirk der berühmten, aber nicht riesengroßen Stadt. In dem Zimmer stand auch ein gepolsterter Stuhl, dessen braune Farbe sich unter der Staubschicht beinahe zu verlieren schien, ein Tisch mit einer Karte des Hotels darauf und eine Stehlampe mit einem weit ausladenden Schirm, dessen Muster eine Hirschjagd zeigte.

Jan stand da, mitten im Raum stand er einfach da, seit sich die Tür hinter ihm mit einem metallischen Klicken geschlossen hatte.Er hatte seinen noch zugeknöpften Trenchcoat an und hielt in der Linken seine Reisetasche fest. Die Rechte hatte er in seiner Manteltasche eingegraben. Unter dem Mantel kam irgendwann seine nichtssagend graue Stoffhose hervor, deren genauso nichtssagende Bügelfalten auf seinen schwarzen Schuhen, die sogar in dem fahlen Licht dieses spartanischen Räumleins spiegelten, zu einem wirren Zickzackmuster gebrochen wurden.

Jan stand regungslos und still und lauschte. Er lauschte nicht allein mit den Ohren, er versuchte der Stille all seine Sinne zu öffnen, auf dass sich ihm der Raum so weit, so tief, so ganz wie möglich erschloß.

Nach einer Weile begann Jan die Stille, das Nichts zu bedrücken. Wie ein schwerer Vorhang, der, von einer geheimnisvollen Flüssigkeit, einem unsichtbaren Nebel durchtränkt immer schwerer auf seinen Schultern lastete und ihn zu ersticken drohte, lähmte ihn alles, was gerade nicht geschah. Wie ein Schwarzes Loch schien ihm der Raum alles Lebendige zu nehmen, anstatt ihm eine Auskunft zu geben, eine Botschaft zu schenken, irgendwas...

Jan spürte, wie ihm das Nichts des Raumes die Sinne raubte, wie er, der Raum, ihn vereinnahmen wollte. Er spürte, wie es ihm den Atem zu rauben begann, wie sich eine unsichtbare Hand an seine Kehle legte und sie langsam zuzudrücken schien, bis ein Würgereiz in ihm aufstieg. Es schien ihm, als wolle sein Kopf platzen, als zöge das sinnliche Vakuum dieser geschätzten 7 Quadratmeter Raum alles lebendige aus seinem Leib...

Jan öffnete seine linke Hand. Mit einem lauten Knall fiel seine Tasche zu Boden und beendete diese skurrile Zurschaustellung menschlicher Möglichkeiten und Begrenzungen. Jan wußte, solange er hier blieb, würde er dieses Zimmer nurmehr in Begleitung oder mit einer ausreichenden Menge Alkohol im Blut betreten.

Jan ging zu dem kleinen Kühlschrank, der neben der Lampe stand, öffnete ihn und nahm wahllos eins der kleinen Fläschchen heraus. Er leerte es in einem Zug. Mit geschlossenen Augen spürte er nach, wie das Brennen erst seine Kehle, dann seine Speiseröhre befreite, um dann in seinem Magen eine wohlig warme Stimmung zu zaubern.

Jan warf das Fläschchen in den runden braunen Papierkorb, den er neben dem Kühlschrank fand und ließ sich, so, wie er war, mit geschlossenen Augen ins Bett fallen. Ohne Angst und ohne Hoffnung schlief er ein und vertrieb mit seinen regelmäßigen Atemzügen die Dämonen der Stille aus dem Raum.



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