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psychosomatik.peperonity.net

Extrasystolen

Eine gut Antwort auf untenstehende Frage schrieb M@rco
..... das schlimmste, was ich NIE bekämpfen
konnte, ist das Herzrasen. Es ist oft so schlimm,
das sich dann daraus Rhythmusstörungen
entwickeln. Wie hast du das Herzrasen bekämpft????

Antwort:
Du wirst es nicht hören wollen:
Wie bei allen Symptomen der Angsterkrankungen
geht es eben NICHT darum das Symptom zu bekämfen, sondern durch gezielte
Übungen deinen Körper, oder besser deinen Organismus zu desensibilisieren;
also unter kontollierten Bedingungen diese so fürchterlichen Symptome auszulösen
und auszuhalten !!
Ich beschreibe mal erst das WIE, dann eine Zusatzerklärung zum Herzrasen, und dann das WARUM

1. zum WIE:

Im Idealfall hat man als Begleiter einen Therapeut, der sich in der Behandlung von Angsterkrankungen gut auskennt, es reicht aber auch eine Person, die egal was passiert ruhig und gelassen bleibt und die Übung zu Ende führt.
Das kann der Lebenspartner sein, der aufgrund jahrelanger Erfahrung mit dem Betroffenen bei aller Panik selbst ruhig bleibt weil er es kennt und weiß, daß nichts wirklich medizinisch gefährliches passieren kann.
Es kann aber auch selbst ein Betroffener sein, der schon solch eine Therapie durchlaufen hat, die Regeln kennt und es sich zutraut.
Es beginnt damit, daß man die Übung
vorher durchspricht und vereinbart, die Übung im besprochenen Rahmen bis zum Ende
durchzuführen und keinesfalls abzubrechen. Dann führt man die Situation herbei,
die plötzlich die Symptomatik auslöst. Dies kann durch einen bekannten Auslöser geschehen, wie z.B. eine Brücke betreten oder ein Kaufhaus, oder aber eine körperliche Übung, wie z.B. 1 Minute wie verrückt auf der Stelle rennen. Danach heißt es für einige Minuten die Augen schließen und beobachten was alles im Körper geschieht. Hierbei ist es wichtig NUR innerlich wahrzunehmen und
NICHT zu interpretiern. Also - Wahrnehmungen, wie ´Mein Puls schlägt bis zum Hals´,
´Meine Beine sind schwach´, ´Ich bekomme schwer Luft´, ´Mein Mund ist ganz trocken´, ´Mir ist es schwindelig´, etc. sind ok , Gedanken wie ´Ich ersticke jetzt´, oder ´Jetzt bekomme ich einen Herzinfarkt´ sind Fehlinterpretationen normaler Körperfunktionen und sollten weggelassen werden. Wie man die weglassen kann, fragst Du? Indem Du die nachfolgenden Erklärungen und "3.zu WARUM" liest und verstehst, bzw. sie dir von mir oder deinem Arzt so lange erklären
läßt, bis Du sie wirklich verstanden hast und dann weißt, daß diese Gedanken
keinerlei Berechtigung haben und nur dazu dienen die Angst aufrecht zu
erhalten.
Bei der Übung ist es enorm wichtig die Symptome, die sich einstellen, so lange auszuhalten bis sie sie nicht mehr da sind! Auf keinen Fall soll man vorher aus der Situation herausgehen. Es ist zwar nicht gefährlich, aber die Übung war dann umsonst !!!
Dies zeigt, daß man für eine solche Übung genug Zeit einplanen sollte. In der Regel reichen 1-2 Std., aber es kann bei manchen Menschen auch bis zu 6 oder 8 Std. dauern bis in der Auslösesituation die
Symptome verschwinden.
Gibt man der Stärke seiner Symptomatik auf einer Skala von 1 - 10 (1=kaum spürbare Symptome , 10=maximale Stärke) , so sollte man die Übung nicht aufhören bevor die Symptomatik auf 2 (=spürbare Symptome, die zwar unangenehm aber gut aushaltbar sind) abgesunken ist. Durch tägliche Wiederholung solcher Angstübungen wird die Reaktion (also die Symptomatik)
auf den Reiz (also den Auslöser) immer weniger und bleibt dann im Idealfall ganz aus.

2. Zwischenbemerkung zum Herzrasen:

Dein beschriebenes Herzrasen (der Arzt nennt es meist paroxysmale Tachycardie) und auch die Rhythmusstörungen (meist Extrasystolen) , die als fehlende oder zusätzliche Herzschläge
("Herzstolpern") wahrgenommen werden, hast Du ja bestimmt schon vom Arzt untersuchen lassen.
Dies vorrausgesetzt, damit eventuelle seltene Herzerkrankungen ausgeschlossen
sind, kann man sagen, daß es sich dabei um ungefährliche Symptome handelt.
Jeder untrainierte Mensch, der plötzlich aus dem Stand 100 Treppen hochrennt
hat dies. Ebenso haben es Säuglinge auch in Ruhe und niemand kommt auf die Idee
diese zu behandeln. Selbst bei einem jungen Menschen, dessen Herz den ganzen
Tag etwa zweimal pro Minute falsch schlägt, oder bei einem älteren Menschen,
dessen Herz bei normalen Kreislaufverhältnissen immer völlig unrhythmisch
schlägt, bedarf es keinerlei Behandlung!
Ich will damit zum Ausdruck bringen, daß wir, die wir eine Angsterkrankung haben, dazu neigen Dinge zu dramatisieren die noch völlig in der Norm liegen. Ein Herz ist kein Computer und es hält
den Blutkreislauf stabil auch wenn es hier und da mal einen Schlag aussetzt oder
nicht so ganz rhythmisch schlägt! Oder anders erklärt: Bei der Panikattacke interpretieren wir gedanklich irgendwelche Symptome am Herz falsch, z.B. als Herzinfarkt und DENKEN es wäre lebensgefährlich. Beim wirklichen Herzinfarkt hingegen kommen wir durch Unterbrechung der lebenswichtigen Durchblutung des Herzmuskels in einen Schock, der sich deutlich von einer Panikattacke unterscheidet. Dieses Geschehen ist so dramatisch, daß es wohl sofort genug
Leute aktiviert professionelle Hilfe zu holen, da wir dann sowieso nicht
mehr dazu in der Lage sind (behaupte ich, der ich früher einige Jahre auf der
Herzintensivstation gearbeitet habe).

3. zu WARUM:

Bei körperlicher Anstrengung (wie z.B. auf der Stelle rennen), Schreck oder eben bei Panikgedanken (Fehlinterpretationen oder Falschannahmen wie "Wenn ich das Kaufhaus betrete, werde ich eine Attacke bekommen") schüttet die Nebennierenrinde das Hormon Adrenalin aus. Dieses Adrenalin bewirkt eine extrem erhöhte Reaktionsbereitschaft, die bei realer Gefahr (z.B. eines neben
uns einstürzenden Regales) sinnvoll und notwendig ist und uns befähigt blitzschnell zu reagieren. Die Wirkungen und Nebenwirkungen dieses Adrenalins sind vielseitig : Der Herzschlag und die Atmung werden beschleunigt um schnell viel Sauerstoff zu den Muskeln transportieren zu können. Die Muskeln sind in einer Art Vor- oder Anspannung um sofort und sehr stark zu reagieren. Die
Muskeln (oder Hände oder Beine) können dann, wenn diese Aktion (also z.B.
schnelles Wegspringen) gar nicht erfolgt, auch zittern oder ganz schwach
werden. Das Blutvolumen wird im Körper blitzschnell umverteilt, d.h. es wird
vorrangig dem Herz, der Lunge und den Muskeln zur Verfügung gestellt (weil es
da zum extremen Reagieren benötigt wird). Andererseits wird es im Gehirn und im
Magen-Darm-Trakt auf ein Minimum reduziert, was Schwindel und Magen-Darm-Störungen wie plötzliche Übelkeit und Durchfall zur Folge haben kann. All dies ist im Gefahrenfall sinnvoll, während die gleichen Wirkungen z.B. beim Betreten eines Kaufhauses wenig sinnvoll sind und dazu in der Regel Panik auslösen. Panik führt aber zur Ausschüttung von Adrenalin und schon
ist der Angst-Teufelskreis geschlossen !! Also gilt es diesen zu durchbrechen !!
Warum also jetzt oben beschriebene Übung? Weil wir lernen müssen den Adrenalinstoß auszuhalten ohne Gegenzusteuern. Nur dann baut sich die Wirkung am Schnellsten ab und der Organismus lernt dann seinerseits auf denselben Reiz immer weniger und schließlich kein Adrenalin auszustoßen, was
gleichbedeutend ist mit keine Panikattacken mehr zu haben. Es ist also oberstes Ziel bei
der Übung alles geschehen zu lassen was durch das Adrenalin bewirkt wird. Wenn
man zittert, dann eben zittern lassen und nicht versuchen die Hände ruhig zu halten. Wenn man vor Schwindel schwankt, dann schwankt man eben; also nicht hinsetzen. Und auf keinen Fall irgendwelche Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation (PME) anwenden; dies wäre gar ein Kunstfehler !! Diese Techniken sind sehr gut geeignet um den alltäglichen Streß zu reduzieren aber während der Panikattacke sind sie falsch und schädlich !!
Warum? Alle Entspannungstechniken (und auch jede andere Art der Beruhigung,
wie vermeintlich ´gutgemeintes´ Zureden) bewirken eine Harmonisierung der
Durchblutung und Entspannung der Muskeln. Also hat der Organismus Adrenalin
ausgeschüttet (es sei an die Blutumverteilung und die Muskelanspannung
erinnert) und registriert anstatt maximaler Wirkung durch die
Entspannungsübung genau entgegengesetzte Kräfte mit der fatalen Folge, daß er immer weiter
Adrenalin ausschüttet bis zur völligen Erschöpfung und der fatalen
Nebenwirkung, daß die Panik ewig lang andauert und nur ganz langsam abnimmt !!!
Im umgekehrten Fall, also bei optimaler Durchführung der Übung, läßt der
Betroffene all die Wirkungen zu, also das Adrenalin kann seine Wirkung
entfalten und wird dann abgebaut. Dies ist im Idealfall binnen 20-30 Minuten
möglich (die man eben durchstehen muß)! Bei einer Wiederholung (Bitte nicht
am gleichen Tag ! So heftig soll man seinen Organismus nicht stressen!) wird
der Organismus schon weniger Adrenalin ausstoßen, bis er schließlich die
Adrenalinausstoßung ganz unterläßt !

Schlußbemerkung :
Diese verhaltenstherapeutisch orientierte Form der Therapie, soll und kann natürlich nicht die der Angsterkrankung zugrundeliegenden tiefenpsychologischen Konflikte lösen oder aufarbeiten. Jeder muß da selbst, oder mit Hilfe eines Psychotherapeuten beuteilen, ob und in welcher Form
eine weitere Therapie notwendig (also die Not abwendend) ist. So, das wars!
Jetzt bin ich völlig gestresst und werde etwas zu meiner Entspannung tun !


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