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Flußpferd

Das Flusspferd (Hippopotamus amphibius), auch Nilpferd oder Großflusspferd genannt, ist ein großes, pflanzenfressendes Säugetier aus der Familie der Flusspferde. Die einzige andere Art in der Familie ist das waldbewohnende Zwergflusspferd (Choeropsis liberiensis).

Der wissenschaftliche Name Hippopotamus stammt mit einem Umweg über das Latein aus dem antiken Griechisch ιππος ποταμος (hippos potamos), was gerade Flusspferd heißt. Trotz des Namens ist das Flusspferd enger mit Schweinen als mit Pferden verwandt. Der Name Nilpferd rührt daher, dass die ersten Flusspferde am Nil entdeckt wurden, wo sie heute aber am Unterlauf ausgerottet sind.

Merkmale
Die Schulterhöhe des erwachsenen Flusspferdes beträgt 1,50 m, und es wird bis zu 4,50 m lang, wovon 50 cm auf den seitlich zusammengedrückten Schwanz entfallen. Das Flusspferd wiegt zwischen 2700 und 4500 kg. Damit konkurriert es nach den Elefanten mit den Nashörnern um den Rang als zweitgrößtes Landtier. Ein Flusspferd kann in bestimmten Situationen eine maximale Geschwindigkeit von 48 km/h erreichen.

Der Kopf des Flusspferds ist sehr groß, breit, flach und bis zu 450 kg schwer. Ohren, Augen und Nasenöffnungen erheben sich so weit über das Kopfprofil, dass nur sie aus dem Wasser herausragen, wenn das Tier unter der Wasseroberfläche schwimmt und ruht.
Flusspferde haben 44 Zähne: In jeder Kieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Prämolaren und drei Molaren. Die unteren Schneidezähne stehen wie bei den meisten Schweinen nahezu waagerecht und bilden riesige Hauer. Sie arbeiten gegen die oberen Eckzähne, so dass sich diese gegenseitig anschärfen und eine gefährliche Waffe darstellen. Der auf kurzen Säulenbeinen ruhende, plumpe fassförmige Körper ist fast nackt. Die grauschwarze Haut geht in den Hautfalten und um die Augen und Ohren ins Rosa über.

Verbreitung
Noch bis in historische Zeiten bewohnte das Flusspferd neben dem gesamten Afrikanischen Kontinent südlich der Sahara, auch das Nil-Gebiet, Mesopotamien und Nordwestafrika, wo es vor etwa 3500 Jahren verschwand. Im Jordan-Tal kam es noch in biblischer Zeit vor. Heute findet man es nur noch in Afrika südlich der Sahara, wobei es in weiten Teilen, wie z. B. am unteren Nil und im Kapland, sowie in weiten Teilen Westafrikas ausgerottet ist. Es ist in langsam fließenden Gewässern aller Größen mit Uferbänken und Sandstränden mit Wassertemperaturen von 18 bis 35 °C zu finden. Zum Weiden benötigt es Grasgebiete in der näheren Umgebung der Gewässer.

Beobachtet werden können Flusspferde u. a. in folgenden Naturschutzgebieten: Ndumo, Krügerpark, Moremi Game Reserve, Chobe, Mana Pools, Kafue, Südluangwa, Upemba, Tsavo, Arusha, Manyarasee, Ngorongoro, Salonga, Ruwenzori, Virunga, Murchinson Falls, Königin Elizabeth, Meru und Massai Mara, Malawisee, Malombesee, Shire-Fluss, Sambesi.

Lebensweise
Flusspferde leben in Gruppen von bis zu 20 Tieren, in so genannten Schulen (engl. "Hippo Schools"). Die Gruppen haben fest abgegrenzte Territorien zu Wasser und zu Lande. Die Markierung der Reviergrenzen wird durch den Bullen vorgenommen, indem er seinen Kot mit kreisenden Schwanzbewegungen auseinanderwirbelt. Ältere Bullen leben manchmal einzelgängerisch, für gewöhnlich führen sie aber Gruppen, die aus Weibchen und Jungtieren und manchmal auch jüngeren Männchen bestehen.

Gegenüber Artgenossen werden die Reviere erbittert verteidigt. Zwischen rivalisierenden Bullen kann es zu schweren Kämpfen kommen, die sogar tödlich enden können.

Flusspferde sind gut an ein Leben im Wasser angepasst; an Land verlieren sie viel Wasser durch Schwitzen und bekommen schnell einen Sonnenbrand. Vor den Einwirkungen des Wassers und der Sonne sind die Tiere durch einen rosafarbenen Hautdrüsenschleim geschützt, der bei Erregung stärker abgesondert wird. Im Wasser sind sie oft bis auf die Nasenlöcher untergetaucht; diese lassen sich auch verschließen, so dass das Flusspferd bequem bis zu zehn Minuten unter Wasser bleiben kann. Flusspferde verbringen ihr Leben zwar im Wasser, sind in Wahrheit aber schlechte Schwimmer. Meistens laufen sie auf dem Grund eines Gewässers entlang oder lassen sich vom Wasser tragen.

Hauptsächlich kommen sie nachts, meistens auf seit langer Zeit bestehenden Wechseln, an Land und fressen Gras auf der Ebene; ihr Tagesbedarf liegt bei 50 kg Pflanzenmasse. Flächen in der Nähe langsam dahinströmender afrikanischer Flüsse, die an glatte grüne Rasen erinnern, sind in der Regel die Weideflächen der Flusspferde. Um zu ihren Weideflächen zu gelangen, legen Flusspferde jedoch auch Strecken von fünf bis zehn Kilometer an einem Tag zurück. Dabei werden durch die Gruppen regelrechte Trampelpfade (engl. "Hippo Trails") gebildet.

Löwen und Krokodile sind in der Lage Jungtiere zu reißen, was ihnen allerdings selten gelingt, da die Jungen von den Erwachsenen beschützt werden.

Fortpflanzung
Flusspferde paaren sich zu Beginn der Trockenzeit und gebären nach einer Tragezeit von acht Monaten in der Regenzeit meist ein einzelnes Junges. Die Geburt findet, wie die Zeugung auch, im Wasser statt. Bei der Zeugung wird die Kuh fast vollständig unter Wasser gedrückt und kommt nur zum Luftholen an die Oberfläche. Das neugeborene Flusspferd hat ein Gewicht zwischen 30 und 50 kg und kann sofort nach der Geburt bereits laufen und sich vom Wassergrund zur Oberfläche abstoßen. Dies ist notwendig, da Flusspferdkühe ihre Jungen unter Wasser säugen und das Junge der Mutter beim nächtlichen Grasen an Land folgen können muss. Um den Nachwuchs auf sich zu prägen, verteidigt die Kuh ihr Junges in den ersten Tagen besonders stark und lässt keine anderen Flusspferde in die Nähe des Kalbes - erst danach schließen sich beide der Gruppe an. In den ersten Wochen nach der Geburt wird das Junge ausschließlich mit Muttermilch ernährt – nach und nach kommen pflanzliche Nahrungsbestandteile hinzu. Nach ungefähr einem Jahr ernährt sich der Nachwuchs ausschließlich von Pflanzen. Ein Jungtier verbleibt bis zu sieben Jahre lang im Umfeld der Mutter. Nach ca. 6 Jahren werden junge Flusspferdweibchen geschlechtsreif. Je nach Bestandsdichte gibt es jedoch große Unterscheide, was zu einer automatischen Bestandsregulation führt. Die Kühe pflanzen sich fast alle zwei Jahre fort. Bullen sind zwar auch mit 6 bis 8 Jahren geschlechtsreif, besitzen aber in der Regel noch kein eigenes Revier. Daher paaren sie sich meist erst mit 20 Jahren oder noch später.

Wild lebende Flusspferde werden 30 bis 40 Jahre alt. Das außergewöhnlich hohe Alter von 53 Jahren erreichte das Flusspferd Bulette (1952–2005) des Zoologischen Garten Berlins.

Menschen und Flusspferde
Wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches, des Elfenbeins der Zähne oder einfach aus Vergnügen wurden Flusspferde seit jeher von Menschen bejagt.

Das Flusspferd ist entgegen verbreiteter Ansicht kein friedvolles Tier. In Afrika verursacht es mehr Todesfälle als jedes andere Großtier, etwa auch als das Krokodil oder der Löwe. Bei Angriffen setzt es seinen Kopf wie eine Ramme ein; die bis zu 50 cm langen Eckzähne sind ebenfalls gefährliche Waffen. Sie können ein ausgewachsenes Krokodil mit einem Biss in zwei Hälften trennen. Das Flusspferd scheut nicht davor zurück, auch Boote anzugreifen, und ist in der Lage, kleinere zum Kentern zu bringen.







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