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Streifenhörnchen

Die Streifenhörnchen, Backenhörnchen oder Chipmunks (Tamias) sind eine Gattung der Hörnchen (Sciuridae) innerhalb der Nagetiere. 25 Arten fallen unter diesen Namen, die meisten sind in Nordamerika heimisch, und nur eine Art in Asien, das Asiatische Streifenhörnchen (Tamias sibiricus).

Merkmale
Je nach Art wiegen sie 30 bis 120 g, bei einer Kopfrumpflänge von 5 bis 15 cm und einer Schwanzlänge von 7 bis 12 cm. Kennzeichnend für alle Arten ist die Streifung: Auf einem graubraunen bis rotbraunen Grund ziehen sich fünf schwarze Längsstreifen über den Rücken, unterbrochen von weißen oder grauen Zwischenstreifen. Da dies bei allen Streifenhörnchen gleich ist, sind die einzelnen Arten nur sehr schwer voneinander zu unterscheiden.

Verbreitung und Lebensraum
Die Gattung ist über ganz Nordamerika vom Polarkreis bis Zentral-Mexiko verbreitet. Dabei lebt das Streifen-Backenhörnchen in der Osthälfte Nordamerikas, während sich die 23 Arten der Untergattung Neotamias die Westhälfte teilen. Das Asiatische Streifenhörnchen bewohnt Nordasien vom Ural bis nach Korea und Nordchina sowie die japanische Insel Hokkaido. Aus Zuchten entlaufene Asiatische Streifenhörnchen sind außerdem in Teilen Mitteleuropas heimisch geworden.

Die Streifenhörnchen leben hauptsächlich in Wäldern. So ist das Streifen-Backenhörnchen unter anderem ein Bewohner der Laubwälder Neuenglands, das Asiatische Streifenhörnchen ein Tier der Taiga, und der Kleine Chipmunk lebt in den subarktischen Nadelwäldern Kanadas. Einige Arten haben sich auch auf baumlose Lebensräume spezialisiert, die aber viel Strauchwerk enthalten müssen.

Lebensweise
Streifenhörnchen konstruieren ausgedehnte Tunnelsysteme, die mehr als 3,5 m lang sein können und versteckte Eingänge haben. Die Schlafbereiche werden extrem sauber gehalten, während Schalen und Exkremente in den Abfalltunnels gelagert werden.

Streifenhörnchen können zwar klettern, bleiben aber die meiste Zeit am Boden. Sie sind tagaktiv. Die nördlichen Arten sammeln Nahrungsvorräte für den Winter, die sie in ihren Bauen lagern; sie halten einen Winterschlaf, den sie bei mildem Wetter öfters unterbrechen.

Obwohl sie häufig beim Nüssesammeln dargestellt werden, fressen sie auch andere Nahrung wie Samen, Früchte und Insekten.

Als Einzelgänger verteidigen Streifenhörnchen den Bereich um ihren Bau gegen eindringende Artgenossen. Nur zur Paarung finden sich Männchen und Weibchen kurz zusammen. Nach einer Tragzeit von dreißig Tagen kommen vier oder fünf Junge zur Welt. Noch im ersten Lebensjahr werden sie geschlechtsreif. Während Streifenhörnchen in der Wildnis meistens nicht älter als drei Jahre werden, können sie in Gefangenschaft bis zu zehn Jahre leben.

Systematik
Unter den Hörnchen haben Streifenhörnchen keine näheren Verwandten und bilden daher einen eigenen Tribus Tamiini. Aus dem Oligozän und Miozän ist allerdings die Gattung Nototamias bekannt, die als Vorläufer der Streifenhörnchen gilt. Die Gattung Tamias ist bereits seit dem Anfang des Miozäns belegt.

Die Gattung Tamias wird oft in drei Untergattungen aufgeteilt, wobei zwei nur aus jeweils einer Art bestehen.

Untergattung Tamias
Streifen-Backenhörnchen (Tamias striatus), östliches Nordamerika
Untergattung Eutamias
Asiatisches Streifenhörnchen (Tamias sibiricus), Sibirien, Mongolei, nördl. China, Korea, Hokkaido
Untergattung Neotamias
Merriam-Chipmunk (Tamias merriami), südliches Kalifornien
Kalifornischer Chipmunk (Tamias obscurus), südliches Kalifornien, Baja California
Michigan Chipmunk (Tamias arborus), Mittlerer Wesen, Michigan
Gebirgs-Chipmunk (Tamias alpinus), Sierra Nevada
Palmer-Chipmunk (Tamias palmeri), südliches Nevada
Buller-Chipmunk (Tamias bulleri), Durango, Zacatecas, Jalisco
Sonoma-Chipmunk (Tamias sonomae), nordwestliches Kalifornien
Townsend-Chipmunk (Tamias townsendii), Washington, Oregon
Siskiyou-Chipmunk (Tamias siskiyou), südwestliches Oregon
Allen-Chipmunk (Tamias senex), Oregon, nördl. Kalifornien
Gelbwangen-Chipmunk (Tamias ochrogenys), nordkalifornische Küstenregion
Langohr-Chipmunk (Tamias quadrimaculatus), Sierra Nevada
Graufuß-Chipmunk (Tamias canipes), New Mexico
Durango-Chipmunk (Tamias durangae), Durango, Chihuahua, Coahuila
Grauhals-Chipmunk (Tamias cinereicollis), Arizona, New Mexico
Gelber Fichten-Chipmunk (Tamias amoenus), British Columbia, nordwestliche USA
Uinta-Chipmunk (Tamias umbrinus), zentrale westliche USA
Rotschwanz-Chipmunk (Tamias ruficaudus), British Columbia, Washington, Montana
Lodgepole-Chipmunk (Tamias speciosus), Sierra Nevada
Kleiner Chipmunk (Tamias minimus), westliches und zentrales Kanada, westliche USA
Panamint-Chipmunk (Tamias panamintinus), südöstl. Kalifornien, westl. Nevada
Colorado-Chipmunk (Tamias quadrivittatus), zentrale westliche USA
Hopi-Chipmunk (Tamias rufus), Utah, Arizona
Felsen-Chipmunk (Tamias dorsalis), zentrale westliche USA, nordwestl. Mexiko
Wegen der andersartigen Bezahnung (es besitzt als einzige Art nicht vier, sondern zwei Vorderbackenzähne im Oberkiefer) wird das Streifen-Backenhörnchen manchmal von den anderen Arten in einer eigenen Gattung abgetrennt; dies wird dann die Gattung Tamias, während die anderen Arten einer Gattung Eutamias zugeordnet werden.

Bei der Abgrenzung der zahlreichen westamerikanischen Arten gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. So werden Siskiyou-, Allen- und Gelbwangen-Chipmunk gelegentlich als Unterarten des Townsend-Chipmunk eingestuft, und der Durango-Chipmunk als Unterart des Graufuß-Chipmunk.

Menschen und Streifenhörnchen
Vor allem das Asiatische Streifenhörnchen wird gelegentlich in Pelztierfarmen gehalten. Außerdem gelangen sowohl nordamerikanische als auch asiatische Arten manchmal als Heimtiere in den Handel und werden auch im Zoo gehalten.

Im Allgemeinen sind Streifenhörnchen häufige Tiere. Nur eine Art wird von der IUCN (Internationale Union für Naturschutz und natürliche Ressourcen) als gefährdet geführt: der Palmer-Chipmunk, der nur in einer einzigen Bergkette Nevadas vorkommt. Im Status „stark bedroht“ stehen zwei Unterarten ansonsten nicht gefährdeter Arten: Tamias minimus atristriatus aus New Mexico, und Tamias umbrinus nevadensis aus Nevada; letztere ist seit den 1960ern nicht mehr lebend gesehen worden.

In Nordamerika sind viele Streifenhörnchen futterzahm und fressen Nüsse oder andere Nahrungsmittel aus der Hand.

Sonstiges
Man trifft in Züchterhandbüchern und Reiseführern teilweise auf die irritierende Angewohnheit, dass alle Hörnchen, die irgendwo auf ihrem Fell Streifen haben, als „Streifenhörnchen“ bezeichnet werden. Dies gilt zum Beispiel für Ziesel und Atlashörnchen, die zu den Erdhörnchen gehören. Den echten Streifenhörnchen tatsächlich sehr ähnlich sind die Gestreiften Palmenhörnchen und die Baumstreifenhörnchen der Tropen. Die Rotschenkelhörnchen werden manchmal als „Afrikanische Streifenhörnchen“ bezeichnet, und des Weiteren gibt es noch eine Gattung der Schwarzstreifenhörnchen.

Der aus dem Amerikanischen stammende Name Chipmunk kommt von dem lauten chip-Geräusch, das sie zusätzlich zu einem Trillern machen.

In einigen seltenen Fällen können Streifenhörnchen Träger von Krankheiten wie Tollwut sein, die bei Bissen übertragen werden können.

Berühmt geworden ist die Zeichentrick-Adaption der Streifenhörnchen, das Paar Ahörnchen und Behörnchen bzw. Chip und Chap (eng. Chip 'n Dale) aus manchen Walt Disney-Filmen, sowie die Chipmunks aus der Serie Alvin und die Chipmunks.





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